Seit einigen Wochen steigen die Preise von Getreide und Eiweißpflanzen, weil Wetterprobleme die angekündigte gute Ernte in West- und Osteuropa verunmöglichen. Gestern hat die Warenbörse Paris neuerlich Auftrieb erhalten (Weizen 200 Euro je Tonne). „Wir befinden uns in einer gefährlichen Marktphase“, sagt Getreidehändler Karl Pilstl aus Raab.
Panisch werden manche Marktteilnehmer, seit Russland und die Ukraine ihre Exporte sperren. Heuer dürften 21 Millionen Tonnen Getreide fehlen, mehr als die vierfache Ernte Österreichs. Die wachsenden Risiken locken Finanzspekulanten an, die den Trend verstärken. Das macht die Nachfrager nervös. Händler und Verarbeiter haben im Frühjahr sinkende Preise erwartet. Jetzt müssen sie Aufträge, die sie zu alten Preisen abgeschlossen haben, mit teurer neuer Ware erfüllen. Karl Pilstl: „Ich befürchte, hier beginnt die Inflation.“
„Die Mühlen sind ganz schlecht eingedeckt“, sagt Landesinnungsmeister Herbert Wiesbauer. „Wir haben 75 bis 80 Prozent Rohstoffansatz in der Kalkulation. Das schlägt rasch durch“, sagt Wiesbauer.
Franz Sinabell, Agrarexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo, ist noch vorsichtig, sagt aber: „Die Angst ist da, dass sich 2007 wiederholt.“
Wiesbauer sieht eine Spekulationsblase, die bald platzen werde: „Es gibt ja keine Unterversorgung.“ Die EU müsse die Lager öffnen. Der Agrarsektor will aber höhere Preise; 2009 war mit weniger als 100 Euro für Weizen ein Desaster.